Faszination Radsport!

Wer zum ersten Mal aufs Rennrad steigt ist zunächst unsicher. Die Füße wie festgenagelt, der Rücken krumm, der Sattel ein Brett - so soll man 40, 50, irgendwann mehr als 100 Kilometer zurücklegen? Doch wer durchhält wird belohnt. Nach ein paar Ausfahrten stellt sich ein, wovon Radler schwärmen: Die Einheit von Mensch und Maschine, der Rausch der Geschwindigkeit, das Erlebnis in freier Natur.

Wir betreiben Radsport als Hobby, nicht als Leistungssport. Anfänger sind herzlich willkommen. Es muss kein Rennrad sein, ein Fitnessbike geht auch. Mit dem Touren-, oder Cityrad ist man allerdings nicht gut beraten. Für Einsteiger halten wir auch Leihräder vor. Wir fahren gemäßigtes Rennradtempo, ca. 25 - 30 km/h.

Carsten Wittkopf

Thomas Rynas

Rausch der Geschwindigkeit

Wir Menschen sind eigentlich für Gehen gemacht, fürs Traben auf der Suche nach ergiebigen Jagdgründen, für einen kurzen Sprint um dem Tritt des Mammuts zu entgehen. Aber mit der Erfindung des Rades hat sich unser Spielraum vergrößert. Und auch der Spaß. Denn so reizvoll es sein mag, genau hinzuschauen und die Blümchen am Wegesrand zu zählen - so richtig Spaß macht Tempo erste jenseits von Schrittgeschwindigkeit, jenseits des Menschentypischen. Genau das ermöglicht das Rennrad. Mit herzhaftem Antritt katapultiert man sich binnen Sekunden auf Tempo 40, 50, und mehr. Je schneller man ist desto mehr wird die Straße zur Welle. Leicht fühlt sich das an. Berauschend. Der Wind rauscht, da Blut rauscht, die Schlacke des Alltags bleibt zurück. Tempo macht schwerelos, alles ist im Fluss. Wenn alles passt, ist das völlige Harmonie - mit sich selbst, mit den Elementen, mit der Umgebung. Ausdauertraining an sich sorgt ja schon für ein gutes, bewusstes Körpergefühl. Aber die Rückkoppelung mit der Geschwindigkeit hebt das Erlebnis auf die nächste Stufe, weil jede Pore mitmacht, weil alle Sinne animiert werden. Wer schnell fährt, erlebt intensiver. Beispiel Rumpelpiste: Natürlich kann man sich darüber ärgern, von brüchigem Asphalt durchgeschüttelt zu werden. Aber wer mit Tempo auf solch einen Abschnitt einbiegt, sieht das als Herausforderung. Geist und Körper spannen sich, plötzlich ist das Rumpeln gut, weil es Tempo und damit die eigene Kraft spürbar macht. Radprofis die ihr Sprints oft mit Tempo 60 ausfahren, sind wie eine heranstürmende Büffelherde. Die Masse der Fahrer macht Tempo auch von außen fühlbar. Ein Sog wie von einem Lastwagen zieht über den Rücken. Dabei ist die Spitzengeschwindigkeit für Rennradler auch beim Sprint nicht erreicht. Bergab geht's noch schneller. 70 bis 80 km/h, wer sich traut, kann Tempo 100 knacken. Das ist dann wirklich richtig schnell. 100 km/h im Auto fühlen sich dagegen nur langsam an. Natürlich ist es verrückt ohne Schutzkleidung, Fahrwerk und wirklich standfeste Bremsen so schnell zu fahren - aber es kickt! Das Rennrad mit sehr überschaubarer Technik, rund sieben Kilo schwer und mit nichts als Muskelkraft befeuert, deckt einen weiten Teil der Geschwindigkeit ab, die wir vom Automobil gewöhnt sind. Das relative hohe Dauertempo, das das Rennrad erlaubt, ist dabei die Basis für seine Langstreckentauglichkeit. Wer trainiert, kann damit irgendwann 200 bis 300 Kilometer zurücklegen. Faszinierend! Wenn es rauscht und pfeift, sich der Blick verengt, Straße und Blickrand ein wenig verwischen ist die Freiheit auf dem Rad am größten. Frischer Sauerstoff in der Lunge plus Tempo, das sich nach Tempo anfühlt - das ist das Rennradgefühl.

Robert Kühnen

Abenteuer Landschaft

Ein Frühsommertag. Die Sonne scheint, die Vögel zwitschern, die Blumen blühen. Ich will hinaus, es geht nicht anders. Ich will auf dem Rad durch die Landschaft fliegen. Über Ebenen und Hügel schweben, an Flüssen entlang flattern, Wälder durchqueren. Ein reiches Menü liegt da vor meiner Haustüre. Ich fahre los. Das erste Stück ist flach, ich radle mich warm, ohne Druck. Dann gehts es in den ersten Hügel. Ich kenne ihn wie einen alten Freund, spüre seinen Widerstand. Vielleicht meint er es gar nicht so ernst mit dem Widerstand, vielleicht will er nur spielen mit mir. Also spielen wir. Ich fahre nicht so, als ob ich seinen Widerstand brechen wollte, das wäre zu grob. Ich suche mir einen guten Rhythmus - viel Schwung, wenig Kraft. Wenn ich diese Geschmeidigkeit gefunden habe wird es angenehm. Es stellt sich eine Art Zwiegespräch mit der Landschaft ein. Das wohlige Gefühl bereitet sich aus, von der Landschaft aufgenommen zu werden, ich gehöre zur Natur mit all meinen Sinnen: Ich spüre die Temperatur, ich rieche die Jahreszeit, meine Augen trinken die Landschaft, um meine Ohren rauscht der Fahrtwind. Vier meiner Sinne sind stets beteiligt am Fahren. Später, wenn der Mund austrocknet oder die Zunge salzigen Schweiß schmeckt, gesellt sich auch dieser Sinn dazu. Manchmal spielen einem die Sinne auch Streiche. Wenn ich durch die Schweizer Berge fahre, habe ich alle fünf Minuten ein anderes Bild. Am Abend schmerzen meine Augen, als ob ich drei filme nacheinander gesehen hätte. In der texanischen Steppe dagegen kann sich das Auge an nichts halten. Hie und da aber höre ich einen seltsamen Vogel, dessen Gesang an Glockentöne erinnert. Abends vor dem Einschlafen hallen sie in meinem Kopf wider wie das Sonntagsgeläute einer Kathedrale. Bin ich das Stilfserjoch hinaufgefahren, erinnere ich mich bloß an einem rätselhaften Jodgeschmack im Mund. Und wenn ich im Juli in der Provence unterwegs bin, verfolgt mich der Lavendelduft bis Weihnachten. Radeln ist ein Fest der Sinne. Manchmal ist es lustig, manchmal angenehm und manchmal grausam. Was ist so toll daran, durch eine Landschaft zu radeln? Vielleicht ist es dieser Dialog zwischen zwei Naturen, der landschaftlichen und der menschlichen. Nörgler werden einwenden, dass unser radelnder Naturgenuss erst durch mehrere kulturelle Vorleistungen ermöglicht werde: Straßenbau, Verkehrsregeln, Landkarten. Das alles ist Kultur. Zur Kultur gehört aber auch das Spielzeug namens Fahrrad - was überhaupt nicht herabmindernd gemeint ist. Im Gegenteil: Der Mensch ist dann am meisten Mensch, wenn er spielt. Das Rennrad ermöglicht uns eine neue Welterfahrung, ganz im Wortsinn. Es verwandelt unsere Muskelkraft in reine Fortbewegung, in höchste Landschafts- und Lebenslust.

Dres Balmer

Faszination Technik

Vielleicht wäre alles anders gekommen, hätte mein erstes Rennrad nicht einen verchromten Stahlrahmen gehabt. Damals, ich war gerade 13 Jahre alt, hatte ich von Rennradtechnik noch keinen blassen Schimmer. Doch der unwiderstehliche Spiegelglanz auf den Rohren brachte mich in Wallung. Vom ersten Tag an liebte ich mein Rad, wie ich nie zuvor etwas geliebt hatte. Nach jeder Ausfahrt wienerte und polierte ich das gute Stück, bis meine Finger schmerzten. Und noch heute übt die transparente Rennradtechnik einen unwiderstehlichen Reiz zum Selberschrauben auf mich aus. Das die Ausstattung meines Chrom-Flitzers von eher bescheidener Qualität war, bekam ich bald mit. Die italienischen Edel-Komponenten, von denen damals alle Rennradler träumten, verwahrte ein Händler in einer abgeschlossenen Vitrine auf rotem Samttuch. Wie Juwelen wurden dort polierte Schaltwerke und Kurbelgarnituren neben durchlöcherten Griffen präsentiert, bonbonbunt eloxierte Bremsen neben mit senffarbenem Wildleder umnähten Rennlenkern. Mehr als einmal schlich ich nur deshalb in den Laden, um mir an der Scheibe, die mich von diesen Preziosen trennte, die Nase platt zu drücken. Inzwischen bin ich einige Jahre älter, doch den Virus, den ich mir damals einfing, bin ich bis heute nie wieder losgeworden. Noch immer begeistert mich die feinmechanische Präzision ausgefeilter Rennradkomponenten, und noch immer weckt der Anblick einer edlen Rennmaschine kindliche Freude in mir. Rein rational ist diese Leidenschaft für Material kaum zu begründen, bietet doch ein 6.000-Euro-Renner zumindest einem Hobby-Fahrer kaum nennenswerte Vorteile gegenüber einem Rad für 1500 Euro. Dennoch - im Sattel eines sechs Kilo leichten High-Tech-Renners zu sitzen, vermittelt mir jedesmal aufs Neue einen Extra-Kick, der selbst die schönste Tour zu einem noch intensiveren Erlebnis macht. Und dann ist da noch der ästhetische Reiz, der von einem Rennrad ausgeht. Die ausgewogenen Proportionen, der Verzicht auf alles, was den Vortrieb hemmt, der edle Glanz der Komponenten - all das verschmilzt für mich zu einem Gesamtkunstwerk, das ich wie ein schönes Bild betrachten kann. Und je länger ich hinschaue, desto unbändiger wird mein Verlangen, dieses Kunstwerk in Bewegung zu setzten. Sie glauben ich hätte einen Dachschaden? Vielleicht. Aber welche andere Verrücktheit bringt einen in ähnlicher Wieser mit anderen Menschen zusammen, lässt einen die Welt intensiv erleben und macht zugleich fit und glücklich?

Manuel Jekel